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                                                           ... ob die Erde wirklich rund ist

Wunderschönes Malta

9/28/2022

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Kleines wunderschönes Malta mit Wohlfühleffekt: Piet hatte seine Freude an den häufigen Salut-Böllerschüssen mit anschließendem Feuerwerk; ich mochte den Eiswagen mit Lilli Marleen; Kinnie, ein neu entdecktes Kräutergetränk; die zurückhaltende, freundliche Bevölkerung
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Unsere Überfahrt von Sizilien nach Malta teilten wir in zwei Abschnitte:
zuerst segelten wir knapp 30 Seemeilen über 6 Stunden an der sizilianischen Küste entlang nach Portopalo, wo wir in einer Bucht gut ankern konnten, uns ausruhten, um am 27.8.022 nachts um 00.02 Uhr unsere 56 Seemeilen lange Fahrt nach Malta fortzusetzen. Die nächtliche Wache mit der Einschätzung, die Fahrtrichtung anderer Schiffe durch deren Navigationslichter zu erkennen, fällt mir noch schwer. In Zweifelsfällen weckte ich Piet, der es auch geduldig hinnahm. Am meisten fürchte ich Fischerboote, die kreuz und quer ihren Fängen hinterherfahren und in keinem AIS (elektronisches System, das Schiffe ortet und deren Abstand, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit übermittelt) auftauchen.
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Das Wetter mit Wind und Wellen meinten es gut mit uns, und wir kamen vormittags in dem wunderschönen Naturhafen Grand Harbour an. Dort ankerten wir gleich Backbord in der Rinella Bucht. Die Bucht war gefüllt mit Yachten und kleinen Motorbooten, am kleinen Strand waren Familien die grillten und Karaoke Songs lauthals mitsangen.
Dann kam ein bunt bemalter Eiswagen, der mit einer Erkennungsmelodie im Stil einer Drehorgel Lilli Marleen spielte. Dies geschah mehrmals am Tag, und wir wurden der Melodie nie überdrüssig, passte es doch geradezu zu Malta und seiner Geschichte.
Es war der Beginn von 10 schönen, entdeckungsreichen Tagen auf dieser kleinen Insel. Begrüßt wurden wir zudem durch Salut-Böllerschüsse (wir kamen halt genau in dem Moment in die Hafeneinfahrt!), die sich ganz regelmäßig am Tag wiederholten. Am Abend gefolgt durch Feuerwerke. Piet hatte eine fast kindliche Freude daran, wenn es wieder losging und mit Echowiderhall krachte und dicke schwarze Rußwolken in den Himmel stiegen.  Es soll an die Wehrhaftigkeit der Malteser erinnern. Die unglaubliche Luftverschmutzung und das Erschrecken mehrerer Menschen interessiert da scheinbar weniger.
Zu Beginn hatten wir Orientierungsschwierigkeiten, welcher Stadtteil in diesem großen Hafen denn nun die Hauptstadt Valletta wäre. So gingen wir mit unserem Dingi erst einmal an Land und landeten auf, wie wir später erfuhren, einer der „three cities’’ Birgu (Vittoriosa), Bormla (Cospicus) oder L´Isla (Senglea). Wir gerieten mitten in die Vorbereitungen zu einem Patronatsfest von St. Lorenz: überall standen Heiligenstatuen und überdimensionierte Fahnen, die die engen Gassen und Straßen schmückten; abends wurde die Böllerzeremonie und Feuerwerksrate auf circa Stundentakt maximiert. Mein empfindliches Gehör war wahrlich herausgefordert. Beim Streunen durch die Gassen begegneten uns auf Schritt und Tritt die Johanniter, die hier in Birgu ihre erste Wirkstätte auf Malta hatten und irgendwann zu den Maltesern wurden.
Das traditionelle Brauchtum wird hier noch sehr gepflegt. Die Feiern wechseln sich ab. Eine Woche später gab es auf der Nachbarhalbinsel das nächste Fest und natürlich mit den uns inzwischen vertrauten Böllerschüssen und dem Feuerwerk.
Am zweiten oder dritten Tag hatten wir uns soweit orientiert, dass wir die uns gegenüberliegende Stadt Valletta im Norden des Hafens aufsuchten. Dicht gedrängte Geschichte in der Altstadt mit Großmeistern, einer unglaublich reichausgestatteten St. John’s Co-Cathedral, die von außen karg und spartanisch daherkommt und im Inneren mir die Sprache verschlug:  jede Landsmannschaft des Malteserordens scheint sich in der Ausschmückung der Seitenkapellen zu überbieten. Ich war regelrecht überfordert bei der Besichtigung. Ich konnte die einzelnen Details gar nicht mehr wahrnehmen.

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Die ganze Struktur mit Großmeistern durch die Jahrhunderte mit dem einerseits caritativen Wirken und anderseits dem Machtstreben und kriegerischen Auseinandersetzungen wirkte auf mich irgendwie düster und mysteriös.
Die tolle Ausstellung im Fort St. Elmo über die Gesamtgeschichte Maltas, mit vielen unterschiedlichen Einflüsse auch aus dem Arabischen, wurde sehr gut dargestellt. Beeindruckend war für mich jedoch die geografisch strategische Lage, die diese Insel immer wieder zur Verteidigung zwang. Die unglaublich dicken Befestigungsanlagen sprechen da eine nachweislich deutliche Sprache.
Die letzte große Zerstörung und Belagerung erfuhr Malta von 1940-1942 mit massiven italienischen und deutschen Luftangriffen zusammen mit einer Seeblockade, da der Marinestützpunkt der Briten auf Malta, strategisch im Mittelmeerraum gelegen, sehr interessant war
Umso mehr überraschte uns die freundliche, zurückhaltende Art, wie uns die Menschen begegneten. So hatte ich in einem Café auf Birgu ein ganz interessantes Gespräch mit der Besitzerin über die derzeitigen Probleme mit der Teuerungsrate und dem Aufkauf der Immobilien durch vermögende Ausländer, wodurch sich die Bevölkerung Eigentum kaum noch leisten könne. Mit einem Gemüsehändler um die Ecke kam ich auch ins Gespräch, und er erzählte mir, wie die Preise bei seinem Einkauf in die Höhe geschnellt seien, und er es so gar nicht an die Kunden weitergeben könne. Er würde einfach weiter machen; sein Verdienst sei jedoch enorm geschrumpft. Beide klagten nicht, es war eher ein Berichten, was derzeit im Land los sei. Tja, das kennen wir ja wohl europaweit. Nur scheinen die Menschen es anders hinzunehmen.
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Gundi: kein Tag ohne Kaffee.
Wir jammern daheim irgendwie noch auf einem recht hohen Niveau. Mich ließ es nachdenklich werden, wie alle irgendwie in einem Boot sitzen und ganz ähnliche Probleme haben und scheinbar das Gewohnte so nicht mehr so recht funktioniert.
Die Verständigung auf der Insel mit Englisch macht hier vieles möglich, wobei wir überrascht waren, dass z.B. einige Busfahrer und Ladenbesitzer uns nicht verstanden.
Malti ist eine ganz ulkige Sprache aus italienisch, englisch, spanischen und arabischen Wörtern. In den drei Cities und Valletta wird sogar unterschiedliches Malti gesprochen. Wir machten keine Anstalten einige Brocken zu lernen und blieben beim Englischen.
Einen Tag fuhr Piet in das große moderne Sliema, um uns mal wieder Ersatzteile zu beschaffen. Ich stiefelte derweil noch einmal durch die Straßen und Gässchen des barocken Valletta, schaute mir das wunderbare, schön gestaltete Teatru Manoel aus dem 18. Jahrhundert mit seiner tollen Akustik an . Die korpulente Führerin klemmte sich beim Öffnen der Logentüren fast ein und kommentierte es humorvoll: zu adipös sollte man nicht sein, sonst schreibst du dein eigenes Theaterstück. Die Gruppe prustete vor Lachen.

Nun war erst einmal Pause angesagt und ich setzte mich in ein kleines Bistro, beobachtete Leute und aß eine Kleinigkeit, bummelte durch Geschäfte und kaufte mir ein schönes Sommerkleid.
Auf den Spuren des Apostel Paulus wurde ich dann in der St. Paul´s Co-Cathedral nicht recht fündig. Dazu machten wir später einen Ausflug in die Stadt Rabat und die daran angrenzende frühere Hauptstadt Mdina. Laut Überliefereng soll Paulus als Häftling nach seinem Schiffbruch auf Malta gestrandet sein (Apostelgeschichte 28, 11) und als Gefangener in einer Grotte in Rabat das Christentum gelehrt und verbreitet haben und Menschen geheilt haben. Na, wie es nun wirklich war, werden wir nicht mehr klären können. Die Frage ist, wo ist die frühere Haltung geblieben, auf dem Mittelmeer treibende Menschen aufzunehmen. Da bekleckert sich auch Malta, wie alle anderen Anrainerstaaten, nicht mit aufnehmender Mitmenschlichkeit.
Nun zurück zu meinem Gang durch Valletta: ich besichtigte die Sacra Infermeria , die heilige Krankenstation des Johanniter-/ später Malteserordens, die bis 1787 als längstes und modernstes Krankenhaus in Europa galt. Es war für damalige Verhältnisse mit einem hohen Standard an Hygiene und medizinischen Behandlungsmethoden ausgestattet.
Das Hospitalwesen war für mich klasse anzuschauen. In Riesensälen wurden die Menschen versorgt. Infiziert Erkrankte wurden in einem anderen Trakt behandelt. Unsanft dagegen wurde mit psychiatrisch Erkrankten verfahren: sie wurden im Keller „verwahrt“. Trotz Riesensaal hatte jeder Patient durch Wandteppiche eine Abgrenzung seiner Privatsphäre mit eigener Toilette. Eine gute reichhaltige Ernährung sollte die Gesundung unterstützen, gegessen wurde mit einem gut zu reinigendem Silberbesteck. Die Entwicklung nahm von hier ihren Lauf, so wurde eine Schule der Anatomie und Chirurgie unter dem Großmeister Cotoner gegründet. Die formalisierte Ausbildung brachte später bekannte Chirurgen hervor. Durch virtuelle Animation auf einem Tablet wurden Szenen nachgestellt, so dass die Geschichte lebendig wurde. Heute wird ein Teil als Konzert-, Theater- und Kongresszentrum genutzt. So irrte ich etwas in den Gängen umher und hörte wunderschöne Klaviermusik. Ich schlich mich in den Konzertsaal und lauschte dem übenden Pianisten eine Weile. Wie schön kann es sein unbemerkt zu lauschen.
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Die Zeit war wie im Flug vergangen. Ich verließ den Konzertsaal und ging weiter. Auf einmal geriet ich auf den langen Fluren in einen offiziellen Empfang irgendeiner Delegation mit Security. Ich schlängelte mich hindurch und erreichte den Ausgang mit bleibenden, abwechslungsreichen Erlebnissen im Gepäck.
Ich rief Piet an, der mich mit dem Dingi abholte. Es war ein schöner abendlicher Austausch über die verschiedenen Seiten Maltas: hochmodern und sehr geschichtsträchtig. Auf unserer Reise streifen wir dies alles nur, aber es gibt einfach Impulse und Anregungen, die uns bereichern.
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Das Leben findet ja bei uns an Bord statt, auf kleinstem Raum. In unserer Rinella Bucht gefiel es uns einfach gut. So blieben wir insgesamt 10 Tage und brachen am 5.9.2022 auf zu der kleinen Insel Gozo, zum Malta Archipel gehörend. Oh, dort wäre ich gern ein wenig geblieben. Wir fanden dort jedoch keinen geeigneten Ankerplatz und segelten zur blauen Grotte vor der kleinen felsigen Insel Communo. Und dies war eine blaue Grotte in verschiedenen türkisschimmernden Tönen, klar bis zum Meeresboden. Das Schwimmen machte einfach nur Freude. Wir ruhten uns aus für unsere nächtliche Tag-Nacht Fahrt zurück nach Sizilien. Nachts um drei hoben wir den Anker in pechschwarzer Nacht. Piet fluchte, da ich, während er den Anker klarierte, die Route auf seinem Tablet verstellt hatte, und er „blind“ durch die kleinen Felsen herausmanövrieren musste. Wie Ihr euch denken könnt gelang es und wir waren bereit 160 Seemeilen nach Trapani / Sizilien in Angriff zu nehmen.
Nun schreibe ich immer so begeistert vor mich hin; Piet bringt mit den Bildern alles in Form und Verbesserungen ein; meldet uns einfach mal kurz zurück, ob euch diese Berichte gefallen oder ob sie zu lang sind.
Es grüßen euch
Piet und Gundula
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Besteigung des Ätna

9/20/2022

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Verhinderte Besichtigung von Taormina; Catania und unsere atemberaubende Wanderung auf den Ätna, Syrakus (Siracusus) mit Archimedes in praktischer Erprobung; gute und günstige Labormedizin; in zwei Etappen nach Malta in den Grand Harbour
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Erschöpft und übermüdet ankerten wir in der Bucht von Taormina neben lauter Luxusyachten. Uns stach die außergewöhnlich schön anzuschauende Artefact ins Auge, die auf einer Werft in Rendsburg/Deutschland gebaut wurde. Dieser Yacht begegneten wir später noch in Syrakus und auf Malta. Einfach schön anzuschauen.
Bei relativ viel Schwell stieg ich in die Planung der Besichtigung von Taormina ein, das wunderschön auf einem Berg vor uns lag, und mir von meiner Schwester Harriet und verschiedenen anderen Freunden empfohlen worden war zu  besichtigen.
Piet studierte derweil das Wetter und meinte, dass wir hier nur diese Nacht bleiben könnten, da aus der Straße von Messina heftiger Wind aufzog. Hin und her diskutierend, im Dingi am Abend kurz an Land fahrend, gerieten wir in einen heftigen Streit, ob Besichtigung ja oder nein.
Schlussendlich segelten wir am nächsten Tag schnell weiter in den sicheren Hafen von Catania. Dieser große, hässliche Industriehafen hat mehrere Marinas, und wir steuerten gleich rechts den Circulo Natico an.
Zwei Herren, die scheinbar mit dem Anlegen von Schiffen nicht sehr vertraut waren, übergab ich die Leinen, und sie tüderten so ungeschickt herum, dass Piet immer wieder rückwärts bei starker Strömung manövrieren musste. Aber schließlich lag unser Albatros sicher vertäut am Steg.
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Piet und ich immer noch etwas verschnupft miteinander, gingen getrennt in die Stadt.
Catania ist zum Teil stark verdreckt und die ehemals schönen Häuser verfallen. Das Zentrum selbst ist sehenswert mit den schönen Plätzen Piazza del Duomo mit dem sehenswerten Duomo, Piazza dell’Universita , der Via Etnea. Auf dem Domplatz findet sich der bekannte Elefantenbrunnen. Der schwarze Elefant ist aus Lavagestein gefertigt. Er soll laut Legende den Zorn des Ätna besänftigen können.
In brütender Nachmittagshitze kühlte mich dann ein überteuertes leckeres Pistazieneis von Don Peppino. Kaum möglich es so schnell zu essen, wie es schmolz. So stand ich mit tropfendem Eis über einem Papierkorb und vorbeigehende Menschen amüsierten sich über dieses Bild. Gestärkt ging es weiter über den sehenswerten Fischmarkt (Pesceria), wo auch überall kleine Garküchen sind, die zum Probieren einladen Hier mischt sich das Einkaufstreiben der Einheimischen mit den Touristen in einer angenehmen Art und Weise.
Irgendwie erschloss sich mir diese Stadt aber nicht so richtig und so landete ich in einer kleinen Touristenbahn, die holpernd und polternd durch die Straßen zog und die Erläuterungen in französischer Sprache  waren. So sah ich den etwas weiter entlegenen Bellini Park, das Castello Ursino, Reste des Amphitheater’s und vieles mehr. Mein Schul-Französisch wurde arg herausgefordert. Ehrlich gesagt, verstand ich nur Brocken und verlagerte mich aufs Anschauen.
Mit Rückenschmerzen war ich nach einer Stunde froh diesen Touristenzug verlassen zu können. Ganz erfüllt mit meinen neuen Eindrücken wanderte ich den Weg zum Schiff zurück.
Piet war auch schon wieder da. Der kurze Abstand hatte uns beiden gutgetan.
Zusammen planten wir für den nächsten Tag unsere Ätna-Tour und suchten nach einer geführten Wanderung, was natürlich recht kurzfristig war. Es gelang uns nach ausgiebiger Internet Recherche, und wir freuten uns auf den nächsten Morgen.
Pünktlich erwachten wir. Und was soll ich sagen, der Ätna zeigte sich uns in seiner Schönheit das erste Mal. Oben rauchte es wie aus einem Schornstein.
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Zügig packten wir unsere Sachen für die Bergtour und machten uns auf zu unserem Treffpunkt in der Stadt, kauften uns in einem urigen Geschäft für kleines Geld belegte Brötchen, die uns in aller Ruhe frisch zubereitet wurden.
Am Treffpunkt trudelten dann der gesprächige junge, dynamische deutsche Doktorand der Informatik Vincent ein und eine junge Frau aus Rio de Janeiro, die auf der Durchreise nach Malta zu einem Englischsprachkurs war. In einem Kleinbus ging es durch wunderschöne fruchtbare Gebiete mit Anbau von Pfirsichen, Citrusfrüchten, Tomaten und Feigen am Fuß des Ätna dahin. Unser Guide Alessandro war begeistert von „seinem“ Ätna und es machte Spaß seinen Erklärungen zu folgen. Die Faszination für diesen aktiven Vulkan, dicht gepaart mit einem Respekt vor seiner Zerstörungsgewalt scheint die Menschen hier zu prägen. Trotz durch Lava zerstörter Häuser siedeln sich die Menschen immer wieder dort an.
In einem Dorf machten wir halt und trafen auf eine andere kleine Gruppe mit dem Chefguide Marco, begleitet von seinem kleinen verspielten Hund. Er hat sich vor zwanzig Jahren diesem Vulkan verschrieben, bereist weltweit andere Vulkane und ist vom Ätna weiterhin begeistert.
Weiter ging es hinauf mit dem Bus bis auf circa 1800 Meter Höhe. Nun hieß es aussteigen, Wanderstiefel an, die angebotenen Walkingstöcke und Regenjacken übernehmend.
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Zügig wanderten wir den pechschwarzen Berg hinauf, durch die Lavaasche immer wieder auch rutschend, waren unsere Stöcke Gold wert. Eine junge Frau bekam Atemnot im anstrengenden Anstieg. Wie sich herausstellte hatte sie wohl angeblich eine Anämieform; das Ganze schien aber auch irgendwie psychosomatisch überlagert. Denn nach einiger Zeit lief die junge Frau an der Spitze der Gruppe mit. Die „Erythrozytenanpassung im Turbogang“ erschloss sich mir medizinisch nicht so recht. Unser Guide Alessandro blieb zurück, und ich beobachtete aus dem Augenwinkel, ob ich etwas zu tun bekam. Innerlich etwas ärgerlich, wie hemdsärmelig manche Menschen unnötig ein Risiko eingehen.
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Unsere Faszination für diesen Vulkan wurde Schritt für Schritt größer, vorbei an tiefen Trichtern und Kratern. Diese sogenannten Nebenkrater, circa 300 an der Zahl, die nur einmalig eine Eruption mit Ausstoß von Lavamassen und Geröll haben, richten dabei dennoch große Verwüstungen an.
Der Ätna ist je nach vorangegangener Aktivität zwischen 3200-3357 Meter hoch, hat einen Hauptkrater und drei andere aktive Gipfelkrater. Der letzte größere Vulkanausbruch war am 10. Februar 2022 mit drei Lavaströmen einige hundert Meter lang und einer acht Kilometer hohen Rauchwolke. Marco erläuterte uns, dass Lava langsam strömt und die eigentliche Gefahr die Geröllmassen seien, die wie Steinbomben niederprasseln. Ja, so ist die Naturgewalt, wenn sich die afrikanischen und europäischen tektonischen Platten bewegen und verschieben mit daraus resultierenden Vulkanausbrüchen, Erdbeben und möglichen Tsunamis.

Wir wanderten auf und ab, überschritten karge schwarze Lavafelder und dann wieder Gebiete mit Vegetation, oft eine Art Steingewächse, Seifenkraut und vieles mehr, wovon ich die botanischen Namen nicht kenne. Dieser Wechsel von Kargheit und blühendem Leben war für mich die Faszination. Bei ca. 2700 Meter Höhe machten wir dann eine größere Pause, das belegte Brötchen schmeckte ausgezeichnet, blickten in eine Schlucht, wo häufig Lavamassen hinabstürzen und saßen plötzlich in den Wolken. Es war angenehm kühl. Die angesagte lange Wanderhose und die Regenjacke brauchten wir tatsächlich, um nicht auszukühlen. Nun waren wir gestärkt, sollten unsere Stöcke beiseite nehmen, und was jetzt kam, werde ich nie mehr im Leben vergessen. Über feine Lavaasche liefen wir uns gut ausbalancierend und leicht rutschend den Ätna hinab. Es war die pure Lust, wie ein Kind den Berg hinab zu laufen, vertrauend, leicht rutschend sein Gleichgewicht zu finden. Völlig beseelt und lachend kamen Piet und ich unten an. Es war Lebensfreude pur.
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Unsere Guides schienen diesen Teil der Wanderung auch nach wie vor zu genießen. Unser frisch hüftoperierter englischer Professor in unserer Gruppe vertrug es allerdings nicht ganz so gut. Eigentlich ja auch nicht verwunderlich.
Unten angekommen erwartete uns ein weiteres Naturhighlight: eine tunnelartige Lavahöhle/-grotte, die durch dünnflüssige Lava, die in einer Art Rinne hinabfließt und an den Rändern eine Art Dach entstehen läßt, das in den äußeren Schichten schneller abkühlt. Darunter fließt die Lava weiter voran, ein Hohlraum entsteht. Durch Erosion und auch aus statischen Gründen brechen dann Dachteile ein und voilà, das Oberlicht , das sogenannte neuhochdeutsche skylight ist entstanden. Ist die Natur nicht ein fantastischer Baumeister?
Nach fast fünf Stunden Wanderung, die wie im Fluge vergangen waren, landeten wir wieder bei unseren Bussen und traten mit Trinkzwischenstopp unseren Heimweg an.
Unsere Guides hatten einen super Job gemacht. Glücklich kamen wir in Catania an, kauften kurz Lebensmittel ein und beschlossen diesen so erfüllten schönen Tag in einem Opern-Café neben dem Opernhaus Bellini ausklingen zu lassen. Ich probierte ein typisch sizilianisches Essen: Arancino, ein frittiertes Reisbällchen mit unterschiedlichen Füllungen, meist kegelförmig. Es schmeckte mir, war mir allerdings zu fett. Piet probierte es nicht, blieb bei seinem bewährten Cappuccino mit einem süßen Teilchen.
Am Abend waren wir körperlich ermüdet und schliefen gut und fest. Ich träumte vom Ätna.

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Am den nächsten Tag wollten wir nach Syrakus starten. (Syracusus; leitet sich ab vom Wort Sumpf, den nahegelegenen Sumpfgebieten, wo heute noch Papyrusstauden wachsen) Zu unserer Überraschung fielen die Marina- Kosten in Catania das erste Mal auf unserer Reise sehr gering aus. Nun also auf zu unserer kleinen Segelstrecke von 31 Seemeilen. Die Fahrt verlief ruhig und wir konnten mit dem watermaker mal wieder 175 Liter Süßwasser aus Salzwasser gewinnen. Inzwischen trinken wir dieses Wasser unabgekocht, gekühlt, und es bekommt uns.
In Syrakrus fanden wir direkt vor der Stadt eine große gut geschützte Ankerbucht. Am Kai lag wieder meine Lieblingsyacht Artefact. Vom 21.8. bis zum 26.8.2022 blieben wir in dieser schönen historisch interessanten Stadt.
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Der Weg mit dem Dingi war relativ weit. Angelandet orientierten wir uns erst einmal ein wenig in der Stadt. Ich suchte nach einem Labor, da ich zur Medikamenteneinstellung ein paar Blutwerte von Piet brauchte. Und siehe da, Piet fand ein Hinweisschild. Es war völlig unkompliziert die Laborwerte zu bekommen. Alles war gut organsiert mit wenig Bürokratie, email Befundübermittlung und kostengünstiger Barzahlung. So etwas würde ich mir in Deutschland zurzeit wünschen. Und wie ist es möglich, dass die Kosten circa nur ein Zehntel von unseren betragen?
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Vor dem Eintauchen in die Antike, Piet würde sagen: „all die Steinhaufen um uns herum“, durchstöberten wir unsere lieb gewonnenen Chinaläden nach irgendwelchen Schrauben, Klebebändern und diesmal einem kleinen Ventilator. Fündig geworden zogen wir weiter zum  archäologischen Park von Neopolis mit dem antiken griechischen Theater, ( 5.Jahrhundert vor Christus) wo heute noch Vorstellungen stattfinden, dem römischen Amphitheater,( 3 Jahrhundert nach Christus), Altar von Hieron II, eine alte 150 Meter lange Gräberstraße mit der Grotta del Ninfeo, wo Wasser gespeist über Aquädukte Wassermühlen antrieb. Vom Heiligtum von Apollon Termenites ist kaum etwas zu sehen. Ich konnte es mir bei aller Fantasie nicht vorstellen, wie es ausgesehen haben soll.
Echt beeindruckend waren die antiken Steinbrüche, wo du heute durch Riesenhöhlen wanderst mit den wohl klingenden Namen: Orecchio di Dionisio (Ohr des Dionysios, sieht von außen so aus,  dreht sich hinein gehend wie eine Schnecke auf, sehr dunkel, super Echo). Schöner fand ich Latomia del Paradiso, wo heute Filmanimation und kurze Theateraufführungen stattfinden. Ich möchte jedoch nicht wissen, wie viele Menschen sich in diesen Steinbrüchen zu Tode geschuftet haben. Nach ein paar Stunden und aufkommender Mittagshitze reichte es uns, und wir traten den Rückweg an.
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Am nächsten Tag durfte natürlich der berühmteste antike Mann dieser Stadt, Archimedes (287- 212 vor Christus) nicht fehlen: Schon irre, auf seinen mathematisch, physikalischen Grundlagen noch heute unterwegs zu sein. In einem Freiluftpark konnten wir kleine Experimente machen;  Piet erklärte mir vieles, in der noch heute üblichen praktischen Anwendung, wie Flaschenzüge  mit mehren Umlenkrollen und Getriebe mit unterschiedlich großen Zahnrädern, wie Seilwinden funktionieren, die unterschiedlichen spezifischen  Gewichte, die Hebelgesetze, die Grundlage für die Kreis-Zahl Phi, die archimedische Schraube als Wasserhebeanlage und, und, und. Vieles übrigens zum kriegerischen Einsatz entwickelt.  
Ich kam wie ein Kind aus dem Staunen nicht heraus. So hätte früher mein nicht sehr geliebter Physikunterricht laufen sollen und nicht trockenes Formellernen ohne Bezug.
Es war einfach toll gemacht, obwohl die Exponate sehr in die Jahre gekommen waren.
So nebenbei ohne Anstrengung, Spaß gehabt und was gelernt.
Syrakus ist eine Stadt in der man wirklich länger bleiben kann und wenn möglich auch sollte. Die sogenannte Altstadt auf der Halbinsel Ortygia ist vollgestopft mit historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten. Einen gewissen Sättigungsgrad erreicht, streifte ich dann am Folgetag durch die Altstadt, auch mal wieder mit kleinen Abstechern in schöne Boutiquen. Piet blieb an Bord, ihm wurde es zu viel.
Gleich am Eingang zur Altstadt Ortygia stolperte ich in den Apollon-und Artemistempel. Ihn kostenlos betrachten zu können ohne die doch zum Teil hohen Eintrittspreise, war richtig angenehm. Aber irgendwie war Jetzt-Zeit und nicht mehr Antike angesagt. Dies führte mich zu dem wunderschönen Markttreiben mit Ost, Gemüse, Fisch, Kleidung und Haushaltsartikeln jeglicher Art. Es wurde geplaudert, verhandelt und gekauft. Die Touristen waren in der Minderheit, und so war das Sitzen in einem kleinen Café und Beobachten ein richtiger Spaß. Die Bedienung war eine Deutsche aus Süddeutschland, die sonst in Mailand arbeitete und sich kellnernd eine Auszeit gönnte.
Alles wirkte sehr authentisch. Ich zog mit Obst und Gemüse zu einem guten Preis erworben von dannen. Die Besichtigung der Piazza Archimedes mit unzähligen alten Palästen, dem Artemisbrunnen, die Piazza Duomo mit dem wunderschönen Rathaus und einem Dom, halb Tempel halb Kathedrale, waren schon sehr beeindruckend. Dorische Säulen in einer katholischen Kirche hat doch was. Aber genau genommen entwickelt sich ja das eine aus dem anderen. Hatte ich halt noch nirgends so gesehen.
Wieder angefüllt mit vielen neuen Eindrücken, Gerüchen und Geräuschen holte Piet mich mit dem Dingi ab, ehe ein gewaltiges Gewitter losbrach. Wir kamen gerade noch trockenen Fußes an Bord an und konnten alle Luken schließen.
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Am nächsten Tag mussten wir unsere Dosenvorräte und Getränke für die Weiterfahrt auffüllen. Unsere für uns erschwinglichen Supermärkte, wie Lidl oder Conad liegen in Italien immer etwas auswärts; wir kennen das schon. Also fuhren wir mit dem Dingi etwas außerhalb der Bucht in einen verlassenen Hafen, der wohl als Erweiterung geplant und wieder aufgegeben wurde. Beim Festmachen des Dingis kroch aus einem verwahrlosten Segelboot ein ebenso heruntergekommender Typ hervor, der sich anbot, auf unser Dingi „aufzupassen“. Ich weiß nicht, ob uns das wirklich beruhigte.
Durch Plastik und anderen Müll watend bahnten wir uns den Weg zur Straße. Und wir liefen und liefen fast eine Stunde, dann hatten wir beim Hochstand der Sonne unser Ziel erreicht. Die Kühlung im Supermarkt war das Beste. Ich verzögerte regelrecht das Verlassen des Marktes hinaus, denn der Rückweg mit vollbeladenem Rucksack und Trolli  war doch etwas schweißtreibender. An unserem Dingi angelangt, wollten wir unserem Aufpasser etwas zukommen lassen. Und da lernten wir mal wieder dazu, nicht von der Äußerlichkeit auf etwas zu schließen: er wollte es gar nicht annehmen.
Diese ganzen Kleinigkeiten im menschlichen Verhalten, alte Einschätzungen gilt es wirklich zu relativieren, weil wir wirklich ganz andere neue Erfahrungen machen.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von unserem schönen Ankerplatz vor Syrakus und brachen zu unserem nächsten schönen Ziel Malta auf.
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    Siehe auch „Get in touch“

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