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                                                           ... ob die Erde wirklich rund ist

Tage in Otranto: was ein Streifen mehr auf der Uniform bewirkt

8/30/2022

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Geburtstag in Santa Maria di Leuca; Crotone, muss man nicht haben;
La Castella: Anlegen im Päckchen im Wechsel an einem Fischer- und Ausflugsboot; unruhige Nacht in Roccella Ionica vor unserer nächtlichen Überfahrt nach Sizilien und erneuter Guardia Costiera Kontakt; Sizilien im Dunst

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In Otranto ankerten wir in einer Bucht vor der Stadt, was uns jedoch durch den Schwell unruhige Nächte mit Ankerwache bescherte. Die Stadt selbst ließ uns wieder auf Entdeckungstour gehen: sie war von einer stattlichen Mauer umgeben, was die Abwehr von Feinden an vielen Orten hier aus der Geschichte demonstriert. Heute ist es schön dort entlang zu gehen und herrliche Ausblicke zu genießen. Piet entdeckte seine Kletterfreude und nur die Restbeschwerden seines angebrochenen Zehs hielten ihn ab, die Stadtmauer zu erklimmen. Ich stand dahinter und staunte, wie er sicher an der Wand hing. Irgendwie musste ich schmunzeln, weil er so ausgelassen und auch sicher konzentriert wirkte.

Die südeuropäische Lebensart mit spätabendlichen Treffen, lauter Diskomusik, jeden!! Abend an irgendeiner Stelle ein kleines Feuerwerk scheint sich auch an diesem Ort konsequent weiter fortzuführen. Von Umweltbewusstsein keine Spur! Insbesondere der Plastikmüll, in der Stadt selbst weniger zu finden, liegt etwas außerhalb überall an den Straßenrändern. Manche entsorgen gar ihren gesamten Müll so. Das hat uns auf dieser Reise zum Teil sehr betroffen gemacht. Wie soll das auf unserem Erdball weiter gehen, wenn es kein kollektives Bewusstsein und Handeln gibt?
Wir achten hier an Bord immer peinlichst darauf zu trennen und suchen Müllcontainer an Land.
Irgendwie muss das einfach mal kritisch angemerkt werden.
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Nach unserer zweiten unruhigen Nacht durch die seitlichen heftigen Wellenbewegungen hatte Piet die Idee am Hafenkai fest zu machen, wo am Tag zuvor zwei private Yachten lagen.
Also schnell den Anker hoch und am Kai angelegt.  Es war deutlich ruhiger unter unseren Füßen, und wir genehmigten uns in aller Ruhe unseren Tee und Kaffee. Aber zu früh gefreut, noch mit unseren Tassen in der Hand begrüßten uns zwei recht freundliche Beamte der Guardia Costiera und sagten uns, dass wir hier nicht bleiben dürften. Piet -gut präpariert- sagte, uns würde die Kette auslaufen , und so hätten wir bei dem Schwell Schwierigkeiten. Das nützte uns zunächst noch nichts, erst als Piet nachwies, dass die nahegelegene Marina keinen Platz für uns hatte, lenkten die beiden Herren ein und genehmigten das Bleiben bis zum nächsten Morgen. Die Herren entschwanden wieder; sie hatten auf ihren Schultern je zwei Streifen.
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Zurückgekehrt zu unserem begonnenen gemütlichen Tee-Kaffeestündchen, Piet noch gar nicht richtig bekleidet, quietschten Autoreifen jäh neben uns, ein mittelalter, korpulenter Küstenwachenpolizist sprintete mit drei Streifen! auf dem Hemd auf uns zu und befahl uns, sofort den Anleger zu verlassen. Wurde der arme Mann übergangen? Es war eine wirklich skurrile Situation, auch als Piet sich etwas Zeit erbat, schließlich wollte er sich anziehen, wurde er aufgefordert in fünf Minuten weg zu sein.
Also zurück in die Bucht, Anker gesetzt, den zweiten Anker für den Notfall bereitgelegt, hinein wieder in eine unruhige Nacht. Nächsten Morgen in aller Frühe um kurz vor fünf verließen wir diesen Ort um weiter zu segeln nach Santa Maria di Leuca.
Hier fanden wir in der Bucht einen ruhigen Ankerplatz und schliefen uns erst einmal aus. Die Tour dorthin ging vorbei an wunderschönen Felsformationen mit Auswaschungen und vielen Höhlen, die das Küstenbild hier prägen. Piet fuhr an eine Höhle heran, und ich gönnte mir dort ein schönes Eintauchen ins erfrischende Nass.
In dem kleinen Santa Maria verlebte ich dann auch meinen Geburtstag sehr ruhig und beschaulich mit einem schönen Frühstück von Piet und einer abendlichen Essenseinladung und ganz vielen lieben Wünschen per Nachricht oder Telefonat. Ich hätte meine Lieben natürlich gerne um mich gehabt, habe ja immer ein offenes Haus an diesem Tag, meist im Garten gehabt.
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Aber selbst keine Arbeit zu haben, hatte dieses Jahr auch etwas für sich. In Santa Maria hatten wir für unseren Aufenthalt eine Art Café-Bistro ausgemacht, wo ich den leckeren Cafe Leccese kennenlernte: einen eisgekühlten Espresso mit süßer Mandelmilch. Ich finde, den sollten wir, wie mit dem Aperol Spritz geschehen, in Deutschland einführen. Dazu gab es Miniküchlein, auf die Piet sich „spezialisierte“. Die könnten in der Qualität auch gut Einzug bei uns halten.
Nun hatten wir uns gut ausgeruht, um unsere nächste Nachtfahrt nach Crotone über den Golf von Tarent in Angriff zu nehmen. Die 74 Seemeilen verliefen ruhig. Nebenbei produzierten wir, wie wir es oft machen, unser Süßwasser. Die Motoren unterstützen uns dabei, damit die Batterien nicht überlastet werden. Nach 13 ½ Stunden erreichten wir diese sehr schmutzige, verwahrloste Hafenstadt, davor Gas und/oder Ölbohrtürme im Meer.
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Blick auf das freundliche Santa Maria di Leuca
Immer gern die Umgebung erkundend, war ich an diesem Ort mehr als zurückhaltend. Ich kann mir gut vorstellen, dass in solch einem Klima die italienische Mafia einen guten Nährboden findet. Es war vor dem Hafen ankernd ein Zwischenstopp, dem wir nichts abgewinnen konnten und uns zügig weiter ins knapp 20 Seemeilen entfernte kleine La Castella am Capo Rizzuto aufmachten. Dies scheint ein kleiner beliebter Ferienort der Italiener zu sein. Jedenfalls war dort an den Stränden und abends im Ort ein munteres Treiben besonders mit Familien.
In der Marina fanden wir keinen Platz und nun kam für mich wieder etwas Neues: Piet legte sich längsseits an einen Ausflugsdampfer. Dies wird auch absolut toleriert. Als der Eigner seine Touristenfahrten hatte, legten wir uns um an einen Fischkutter daneben. Und so pendelten wir ein paar Mal hin und her: Immer fleißig über das jeweilige andere Schiff an Land krabbelnd. Die Hafengegend war auch irgendwie schmuddelig; die Fischer und anderen Schiffseigner jedoch ganz entspannt und freundlich, aufeinander achtend. Ja, und weit und breit keine Küstenpolizei.
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Piet entspannte sich im Café während ich das aragonesische Kastell erkundete, eine ganz imposante, zum Teil auch verfallene Anlage, die durch die Meeresbrandung erheblich absackt. Als Filmkulisse soll es in mehreren Filmen auftauchen. Das kann ich mir auch lebhaft vorstellen. Die Beobachtung des Sonnenunterganges war für uns später das Besondere.
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Da unsere Gemüsevorräte sich dem Ende zuneigten, hieß es am nächsten Tag in diesem kleinen Ort einkaufen. Das Verproviantieren ist immer eine kleine Odyssee. Die Supermärkte meist weiter außerhalb gelegen, erfordern längere Fußmärsche und die Rückwege sind dann beladen besonders schweißtreibend. Essen will halt erarbeitet werden, das hält fit und gesund. Aber an diesem sehr heißen Tag legten wir eine Trinkpause in einem Bistro ein, um nicht kreislaufmäßig zu kollabieren.
Unser Rhythmus ändert sich inzwischen sowieso: in der Mittagszeit ziehen wir uns zurück und werden ab 17.00 Uhr wieder munter und unternehmungslustig.
Dies ist natürlich auf den langen Segelstrecken nicht einzuhalten und kostet dann eben Kraft.
Nun wollen wir so langsam ja weiter voran kommen, um endlich  Sizilien zu erreichen. Also ablegen und 46 Seemeilen weiter am Geburtstag meiner Schwester, die ich nun auch mit der sechs als erste Zahl willkommen heißen darf, vor dem Hafen von Roccella als Zwischenstation ankernd. Dort beobachten wir ausgiebig die zu Hauf vorkommenden Spiegeleiquallen. Faszinierend anzuschauen, tatsächlich wie ein Spiegelei in der Pfanne. Nur leider hatte ich keine Lust aufs Schwimmengehen, auch wenn sie nicht so arg gefährliche Hautreaktionen hervorrufen sollen.
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Gerade uns eingerichtet auf unserem Ankerplatz bekamen wir Besuch, der geneigte Leser/-in ahnt es, von der Guardia Costiera. Eine sehr nette Beamtin wollte einen 200 Meter Abstand vom Badestrand und der Hafeneinfahrt. Na, so charmant gebeten, ankerten wir um: auf meinen Wunsch in die Nähe anderer Boote direkt vor der Stadt. Piet fragte zweimal nach, ob ich es so wolle. Da es ein Ankern vor der offenen Küste war, wollte ich die Nähe anderer Boote. Aber die Stadt....  Ja, das war dann das Verhängnis: bis zum Aufbruch nachts um ein Uhr die heftigste Diskomusik aus drei Richtungen, sich prächtig mischend im „Bumbum“ der Bässe, Feuerwerk aus verschiedenen Richtungen. Ich war wie gerädert, Piet schlief friedlich neben mir.
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Und um 1.00 Uhr hieß es Anker auf Richtung  Sizilien mit Frühstückspause am Kap Sropolo an der Fußspitze Italiens, wo ich das erste Mal selbständig ankerte. Was bei Piet so spielerisch leicht aussieht, war bei mir ein Drehen im Kreis bis ich unseren Kat sicher im Wind hatte, um den Anker auszubringen.
Danach begann unser letzter Abschnitt Richtung Sizilien, nach Taormina.
Sizilien zeigte sich uns lange nicht, lag in einer dichten Dunstglocke, auch der Ätna blieb vollständig verhüllt. Nach 14 ½ Stunden (mit unserem Zwischenstopp) erreichten wir die Bucht vor Taormina. Reichlich müde betrachteten wir mehrere Superyachten, die neben uns lagen und der Wetterbericht brachte schlechte Neuigkeiten aus der Straße von Messina.
Doch davon mehr in unserem nächsten Bericht.
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Unerwartete, stürmische Überfahrt von Montenegro nach Süditalien

8/16/2022

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Unerwartete stürmische Überfahrt von Montenegro nach Süditalien: Das Meer als unser Lehrmeister; glückliches, übermüdetes  Ankommen in Monopoli ; Apulien in seiner Vielfalt überraschend; Weiterfahrt nach Brindisi: wir liegen kostenfrei an der Hafenmole.
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Wir segelten bei strahlendem Wetter von Budva aufs offene Meer, uns am Fortgang unserer bisher längsten Strecke von 106 Seemeilen erfreuend. Beide Segel standen gut, alles sehr ruhig und gemächlich. Ich übernahm stundenweise das Steuer,  konnte uns bei mäßigem Seegang ein wenig zu Essen bereiten. Den Funk ließen wir laufen und nachmittags hörten wir eine Mayday Meldung eines Schiffes,  das bei Split wegen Sturms in Seenot geraten war. Ich war beunruhigt und fragte Piet, ob dieser Sturm irgendwie Auswirkungen auf unsere Route hätte. Er überprüfte wieder die Wetterdaten und verneinte. So segelten wir ruhig den ganzen Tag und allmählich in die Dämmerung hinein. Die Sonne war merkwürdig von einer Wolkendecke umhüllt, und es wurde mit der Dämmerung sehr wolkenverhangen dunkel um uns. Wie aus dem Nichts tat sich vor uns eine weiße Wolkenwand auf, eine sogenannte Böenwalze. Piet gab Anweisung Segel runter: wir hatten gerade das Großsegel im lazybag verstaut, da brach es auch schon los. Die Fock verhakte sich, Piet kappte die Schot. Mit Böen über 40 Knoten und Wellen, die sich immer weiter aufbauten stampfte und rollte unser Albatros durch die See. Wir waren stundenlang mittendrin.
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Und es beruhigte sich in der Nacht keineswegs: starkes Wetterleuchten, später schwere Gewitter und Regen, ins Cockpit schwappende Wellen. Wir waren komplett durchnässt , saßen im Cockpit am Boden oder lagen flach im Salon. Zur Kontrolle ob andere Schiffe kreuzten war das Aufstehen und Festklammern an Deck ein richtiger Kraftakt. Zu allem Übel wurde Piet seekrank, soll heißen, er übergab sich und fühlte sich danach auch schon wieder besser. Ich hielt mich einigermaßen. Es erwischte mich erst, als ich versuchte kopfüber eine trockene Hose anzuziehen. Ein ungeahnter Schwindel und eine Übelkeit sondergleichen. Wer mich kennt, weiß, dass ich erbrechen immer verhindere, da ich jedes Mal einen Kreislaufkollaps im Leben gehabt habe. Also zurück an Deck in die Ecke kauern und durch die Situation.
Ich übernahm die Wache, Piet erholte sich etwas. Irgendwann bin ich an Deck wohl vor Schwäche eingeschlafen. Piet machte weiter und hatte dann ein Erlebnis der besonderen Art: mitten in diesem Unwetter tauchte eine Delfinschule um unser Boot auf und begleitete uns wohl so um die fünf Minuten. Wenn das mal nicht ein gutes Zeichen war. Schade, dass ich diese wunderbaren Tiere nicht gesehen habe.
Das ausgedehnte Wetterleuchten bei mondloser, sternenreicher Nacht, die Wellenberge um uns herum waren auch ein Naturschauspiel. Jedoch so mittendrin hat es mir einen gewaltigen Respekt eingejagt. Angst konnte ich gar nicht entwickeln.
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Monopoli von unserem nächtlichen Ankerplatz aus.
Dazu ging alles viel zu schnell. Das Meer bei aller Technik schreibt die Regeln und nicht wir. Das habe ich in dieser Nacht gelernt. Als wir am nächsten Tag um die Mittagszeit immer noch bei heftigem Seegang mit Wellen von der Seite in Monopoli ankamen, überkam mich eine große Dankbarkeit gut durchgekommen zu sein. Am Zollpier durften wir 24 Stunden bleiben. Wir schliefen uns zunächst aus. An diesem neuen Tag waren wir noch nicht in der Lage klar Schiff zu machen. Erst am nächsten Tag gingen die Aufräum–, Trocknungs- und Reparaturarbeiten los. Nun verstehe ich den Ausdruck klar Schiff machen im wahrsten Sinn des Wortes.
Monopoli. Wieder eine schöne Altstadt mit vielen verwinkelten Gassen. Am Largo Castello findet sich dann auch eine Schlossallee, die so gar nichts mit unserem Spiel Monopoly aus Kindheitstagen gemeinsam hat: sie ist eher eng und von den Balkonen hängt Wäsche herab.
Monopolyspielvarianten gibt es für die Touristen hier natürlich zu kaufen. Fake muss einfach auch sein. An unserem zweiten Tag ankerten wir vor der Stadt. Einen Tag später wurde es von den Wellen und vom Wind recht ungemütlich, und wir schmuggelten uns an die Hafenpier zurück.
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Es gefiel uns einfach hier. Insbesondere das abendliche Treiben mit Flanieren durch die Stadt. Nun wollten wir einen weiteren Tag bleiben und suchten verzweifelt die im Internet beschriebene Marina. Tja, und es sollte eine abbruchreife Werft sein, die wie ein Sammelschrottplatz aussah. Wir sprachen einen Mann dort an, und er bot uns an einem Sonntag einen Anlegerplatz im Travellift an. So sehen stattliche Nebenverdienste aus. Wo sollten wir hin, zum Ankern war es zu rau draußen, die Hafenpier war ausgereizt. Also hockten wir von drei Mauern umgeben sicher für 100 Euro an diesem Platz. Unter einem alten Boot versammelten sich Einheimische, sangen und plauderten, und wir mittendrin. Am Montagmorgen vor acht Uhr sollten wir den Platz verlassen haben, damit dort wieder Schiffe gekrant werden konnten.
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Wie im „Zwischenlager"; auf der Werft unter dem Kran für eine Nacht.
Artig zogen wir um halb acht, uns auf engem Raum im Hafenbecken befindend, rückwärts aus unserer Lücke und segelten nach Brindisi. Die große Hafeneinfahrt mit riesen Tanks sehr industriell anmutend, auf der anderen Seite meerwärts ein Flughafen, dann aber auch ein rotes altes Kastell und weiter gen Altstadt ein bemerkenswertes aus hellem Kalkstein geformtes Marinedenkmal mit schönen Wohnanlagen drum herum. Uns eher mit den seglerischen Gegebenheiten auseinandersetzend, sind wir mal wieder angenehm von dieser Stadt überrascht: wir können kostenfrei an der Hafenmole festmachen. Wir übersehen dicke Ketten im Wasser, die uns, später entdeckt, einen langen Kratzer im Rumpf bescheren. Erst mal sind wir froh hier gut gelandet zu sein. Denn dieser Sturm sitzt uns doch noch irgendwie in den Knochen. Wir bleiben hier vom 1.-5.8., erkunden die Stadt, fahren mit dem Zug ins nahegelegene Lecce, wo es Barock-und Renaissancebauten in Hülle und Fülle gibt. Manchmal vermag ich mir die wechselnden Eindrücke kaum merken und so haben wir immer wieder Tage mit wenig Aktivität dazwischen.
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Wenn ihr euch vielleicht fragt, wie es uns emotional geht, dann muss ich sagen, wir kommen in einen anderen Lebensrhythmus. Das Gefühl von Zeit haben, durch keine Verpflichtungen oder Termine eingeengt zu sein, ist ein für mich ganz ungeahntes Freiheitsgefühl.
Zu zweit auf relativ engem Raum regelt sich recht gut: jeder hat seinen Freiraum und vieles macht einfach zusammen im Erleben viel mehr Spaß. Ich bin sehr gespannt, wie es sich auf die Länge der Reise entwickelt.
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Nun zurück zu Brindisi. An unserem vorletzten Tag legt ein Segler mit polnischer Flagge hinter uns an. Piet springt von Deck, um mit den Leinen behilflich zu sein.
Ich sitze im Cockpit und beobachte, wie ein PS starkes Boot der Guardia de financa sich unserem Neuankommling annähert, längsseits festmachend wurde der Skipper sehr lange überprüft. Was da los war erfahren wir natürlich nicht. Ganz glücklich wirkte der Skipper vom Gesichtsausdruck jedoch nicht. Spekulationen haben wir uns nicht hingegeben, sondern wir genossen weiter die Stadt.
Wie es segelnd so ist, geht es immer weiter. Und so sind wir nun seit dem 5.8. hier in Otranto am Stiefelabsatz,  um unsere nächsten längeren Strecken vorzubereiten.
Piet kennt dieses Segelgebiet gar nicht. Weiter soll es mit Zwischenetappen nach Sizilien gehen. Über Otranto mit seinen verwinkelten Gässchen und unseren Erlebnissen erzähle ich im nächsten Bericht.
Vielleicht gebt Ihr uns einmal Rückmeldung und erzählt einfach einmal, wie es zu Hause so weiterläuft.
Bis zur nächsten Woche liebe Grüße von Peter und Gundula
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Zehn Tage Montenegro: Einfahrt in den südlichsten Fjord Europas

8/11/2022

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Der Fjord von Kotor:
Tivat: Marina der Oligarchen mit teurem, schlechtem Anlegeplatz für unseren Albatros; wie Agenten beim Einklarieren ihr Geld verdienen.
Kotor: 
atemberaubende Natur und historische Altstadt, durch Kreuzfahrschiffe, Jetskis und schnell fahrende Taxiboote nervenaufreibend.
Risan: Erholen vom Rummel mit Ausflug ins sehenswerte Perast.
Unerwarteter Polzeibesuch beim Ankern in der Kotorbucht.
Abschied von Montenegro mit  Disko-Ankern vor Budva.
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Von Cavtat aus erreichen wir nach gutem Segeltörn die Einfahrt des Fjordes von Kotor, dessen Backbordseite, mit einer alten Festung, noch kroatisch ist und der auf der Steuerbordseite mit montenegrinischer Festung ausgestattet ist. Kaum im breiten Fjord, sausen Taxiboote und Jetskis mit überhöhter Geschwindigkeit rücksichtslos um uns herum. Laut unserer Vorbereitung hat Montenegro viele Vorschriften auf seinen Wasserwegen, unter anderem eine Geschwindigkeitsbegrenzung der Motorboote von 10 Knoten. Scheinbar alles blanke Theorie. Zu unserer eigenen Polizeibegegnung komme ich später noch.
Schließlich erreichen wir Tivat, die zur Zeit angesagte Marina der insbesondere russisch Besserverdienenden. Das ist auch wahrlich nicht zu übersehen: an der Zollpier liegt der Riesendreimaster Black Pearl (106 Meter lange Megayacht) des verstorbenen Oligarchen Burlakov, um die sich nun laut Presse Ehefrau und Geliebte streiten.
Wir legen dahinter an und werden von einer anderen auslaufenden Megayacht von einem Käpitän in gepflegtem deutsch beschimpft, dass wir ihm im Weg sind. Es gab gar keinen Anlass; bei der Größe jedoch ein berechtigtes Interesse unsererseits auszuweichen. Ja, und dann begann das Thema einklarieren, wozu man hier einen sogenannten Agenten braucht. Angeblich kostenfrei, wenn man die Marina wählt. Na, wir warteten nach Funkanmeldung in sengender Hitze so vor uns hin. Irgendwann reichte es mir, und ich ging zum Zoll, wo ich einem freundlichen Agenten begegnete, der sich unserer Einklarierungsangelegenheit annahm. Es ging relativ rasch inklusive Tourismusabgabe vonstatten. Piet zückte bereitwillig seine Visacard und 76 Euro wechselten den Besitzer.

Wie wir später von anderen Seglern erfuhren, unnötig.
So fuhren wir schließlich in diese Marina: unseren reservierten Platz bekamen wir nicht angewiesen, stattdessen landeten wir auf einem Außenplatz, mit ungünstig gelegenem Dalben. Ein wenig genervt, mich auf eine Dusche freuend zog ich ab und konnte es kaum fassen, wie überschwemmt und ungepflegt die Sanitäranlagen waren. Irgendetwas passt hier im Preis- Leistungsverhältnis nicht recht zusammen.
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Eine schöne Dusche ließ meinen Unmut vertreiben und frohgemut erkundeten wir die Umgebung der Marina mit schönen Restaurants und unglaublich teuren Geschäften, wie zum Beispiel Dior, Rolex und Co. Ein einfaches Jeanskleid in einem Fenster übertraf bei weitem unser Monatsbudget! Viele Frauen sahen aus wie Breitmaulfrösche, relativ jung und chirurgisch irgendwie uniform verändert. Das wirkte beinahe surreal.
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Piet drängte auf Weitergehen, und so erreichten wir die kleine Marina der Einheimischen. In einem sehr schönen Lokal beobachteten wir den Sonnenuntergang.
Am nächsten Morgen verließen wir die Marina und Piet machte der Angestellten in der Marina klar, dass unser unschöner Anlegeplatz nicht der Gebuchte war. Dies ließ sich mit einem Preisnachlass gut regeln. Wir verließen die Marina und ankerten vor einer Privatinsel, die man nicht betreten darf. Um uns versammelten sich über Tag viele andere Yachten. Nachmittags unternahmen wir einen kleinen Dingi-Ausflug zu einer der Privatinsel benachbarten Insel, da fing es aus dem Gebirge hinter Kotor gewaltig an zu grummeln mit dunklen Wolkenbergen. Also nichts wie zurück an Bord. Wir erreichten unseren Albatros rechtzeitig und ein Gewitter und Regen entluden sich. Die Ausflugsyachten entschwanden. Wir und wenige andere Segler blieben vor Anker liegen, und genossen so die Ruhe nach dem Rummel in Tivat.
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Nun sollte es weiter hinein gehen in den Kotor Fjord (ca.30 km lang), also hieß es Anker auf Richtung der Stadt Kotor. Dazu passierten wir noch mal Tivat mit seiner Silhouette aus Megayachten, fuhren durch die ca. 330 Meter breite Engstelle, wo vier Fähren schnell hin- und herpendelten. Gar nicht so einfach dort hindurch zu kommen. Das landschaftlich herrliche Panorama mit Gebirgszügen zeigte sich dann jedoch in voller Schönheit genau nach dem Passieren dieses Engpasses, gab den Blick frei auf zwei Inselchen, die eine mit einer abgeschlossenen, nicht zugänglichen Klosteranlage und die andere mit Namen Gospa od Skrpjela, die im fünfzehnten Jahrhundert  künstlich aufgeschüttet und mit der Kirche Our Lady of the Rocks versehen wurde. Es rankt sich eine Legende um diese Kirche:
Am 22.7.1452 fanden zwei Brüder aus Perast (wunderschöner Ort am gegenüberliegenden Ufer), die dort Fischer waren, eine Ikone mit der Jungfrau Maria mit dem Christuskind auf dem Meereskliff und brachten sie nach Hause. Am nächsten Morgen war die Ikone verschwunden und erschien wieder am Kliff. Sie nahmen sie erneut mit und wieder verschwand sie, um am Kliff wieder aufzutauchen. Das verstanden die Fischerbrüder als Wunsch der Jungfrau, für immer am Kliff zu bleiben. Die Brüder gelobten dort eine Kirche zu bauen, die dieser Ikone der Jungfrau, der Schutzpatronin der Seefahrer und Fischer, gewidmet ist.
Eine kleine Insel wurde von den Leuten aus Perast um die Klippe herum mit Felsen und Steinen aufgeschüttet. Im Zentrum der Insel wurde eine kleine Kapelle gebaut. Seit Jahrhunderten nun feiern die Menschen dort am 22.7. die Fascinada, fahren in einer Prozession mit ihren Booten um das Inselchen herum und werfen zum Angedenken Steine ins Wasser.
Diese kleine Geschichte fand ich so schön, dass ich sie euch hier einfach mal erzähle. Da so ein Touristenandrang herrschte, haben wir leider dorthin keinen Abstecher gemacht, sondern bogen rechts ab um am Ende des Fjords auf die mittelalterliche schöne Stadt Kotor zu stoßen. Leider waren wir da umzingelt von Kreuzfahrtschiffen, weiteren anderen Yachten, die sich in diesen am Ende immer enger werdenden Fjord hineinquetschen. Wir ankerten ganz am Ende und wurden durch die permanent rasenden Taxiboote ordentlich bewegt.
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Der Blick auf das Orjen- und Lovcen Gebirge entschädigte; die Landschaft ist einfach nur beeindruckend und wunderschön. Das mittelalterliche Städtchen der Serben mit seiner Stadtmauer, den verwinkelten Gässchen, vielen alten meist romanischen Kirchen ließ in der Fantasie wieder so manche Geschichte entstehen. Früh morgens erklommen wir dann um 6.30 Uhr startend, seit Monaten gar nicht mehr meine Zeit, den Weg 1350 Stufen hinauf zur Festung in circa 300 Metern Höhe. Gefühlt kam es mir viel höher vor. Belohnt wurden wir mit einem schönen Blick über die Kotor Bucht und die Dächer der kleinen Stadt unter uns gelegen. Auf dem Rückweg wurde Piet’s Klettergeist wieder wach, kurzerhand kletterten wir durch ein altes Fenster in der Burgmauer, eine kleine schäbige Holzleiter hinab auf einen gewundenen Felsweg. Nach einem Kilometer erreichten wir ein altes Steinhäuschen, wo wir einen türkischen Kaffee kaufen konnten, alles ganz einfach und armselig. Wir haben nicht herausgefunden , wie die Lebensmittel nach oben transportiert werden. Vielleicht ja doch mit Eseln als Lasttier. Am Nachbartisch saß eine Runde Handwerker, die vom alten Gastwirt  schon um 9.00 Uhr mit selbstgebranntem Schnaps  versorgt wurden. Auch die waren nicht motorisiert. Das Zusammensitzen und erst mal plaudern gehört einfach hier unten in den Süden.

Kaffee gestärkt wanderten wir den serpentinartigen Schotter-Felsweg wieder hinab. Am Ende enddeckte Piet dann noch eine Felsklamm mit ausgetrocknetem Flussbett, wo er herum kletterte und richtig in seinem Element war. Sein angebrochener Zeh hielt ihn von waghalsigeren Touren ab. Das beruhigte mich doch sehr, den Skipper wohl behalten wieder auf dem Weg neben mir stehen zu haben.
Ganz erfüllt schlenderten wir zum Boot zurück und zogen uns in der Mittagshitze zurück.
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Abends trafen wir dann wieder auf die beiden Pärchen, die wir in der Bucht vor Slano kennengelernt hatten. Zusammen verbrachten wir mit Rainer und Elena von der Ophelia und mit Franz und Ingrid von der Starlight einen schönen Abend in old Kotor.
Nächsten Tag wollten wir dann doch in etwas weniger belebte Gefilde aufbrechen und segelten zurück im Fjord vor das Städtchen Risan, um dort fernab des Ferientrubels zu ankern. Dieses recht ursprüngliche Städtchen ließ uns von dem Trubel Kotors verschnaufen und kam gerade recht. Irgendwie läufst du sonst auch Gefahr das Gesehene gar nicht zu verdauen und auf sich wirken zu lassen. Also baumelten wir vom 24.-27.7. ein wenig aus, machten an Bord einige Dinge klar und faulenzten. Jawohl, ganz recht gehört, so langsam können wir das und das Schönste, wir genießen es auch.
Manchmal fehlen mir meine Sozialkontakte, meine Kinder, meine Freundinnen und Bekannten, Nachbarn mit denen ich gern geredet und mich getroffen habe. Also fuhr ich mit dem Bus einen Tag ins wunderschöne Perast, setzte mich in ein Cafe mit Wlan Anschluss und plauderte mit meinen Freundinnen Ursula und Anke. Das war richtig vertraut und schön. Peter blieb an Bord und bereitete seine Wochenzeitung Norderneyer Zeitung vor.
Erfüllt vom Tag kehrte ich zurück, wurde an der Strasse stehend von einem kleinen Privatbus nach Risan mitgenommen. Piet war derweil mit dem Dingi an Land gefahren und so trafen wir uns und verbrachten einen schönen Abend in Risan. Nächsten Tag wurde uns bewusst, dass wir langsam das Land verlassen mussten, wir waren mit unserer Genehmigung schon ein paar Tage drüber und hatten es einfach auch verdrängt.
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Nach einer kurzen Stippvisite noch mal in Perast: ich wollte Piet diesen schönen Ort einfach zeigen, ging es zurück, an Tivat vorbei. Wir ankerten rechtsseitig hinter einer Werft vor einem kleinen Touristenort, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Dann fuhren wir mit dem Dingi an Land, hatten gerade unseren liebgewonnenen Cappuchino (Piet) und Espresso (ich) bestellt, da wurden mehrere Herren samt Piet nervös, liefen aufgeregt umher: die Küstenpolizei kontrollierte, fuhr auch auf unseren Kat zu und wir waren nicht da. Piet entschwand Richtung Schiff, ein alter Herr riss seinen PS-starken Motor aus der Halterung und schleppte ihn davon. Ich saß da mit zwei Getränken, schüttete es in mich hinein, war im Begriff zu zahlen, da stand Piet wieder vor mir. Wir beobachteten, wie mehrere schnell fahrende Boote von der Polizei angehalten wurden. An unserem Kat tuckerten sie ein zweites Mal vorbei und entfernten sich dann.  Ich glaubte natürlich, wir dürften da nicht ankern, und außerdem waren wir schon über die Zeit des Aufenthaltes hinweg.
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Wie dem auch sei, nun bewegten wir uns beide zurück aufs Boot. In einem Restaurant kurz vor unserem Ankerplatz sprach mich ein junger Mann auf Englisch an, die Polizei wäre schon zweimal bei uns gewesen. Hier bleibt kein Gesicht unerkannt. An Bord harrten wir der Dinge. Die Polizei hatte vielleicht Besseres zu tun. Auf jeden Fall blieben wir unbehelligt. Ein blödes Gefühl kam jedoch in uns beiden auf. Da wir inzwischen jedoch in eine andere Haltung kommen, konzentrierten wir uns auf die frühe Weiterfahrt am Morgen und schliefen ganz ruhig ein.
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Nächsten Tag verließen wir die Kotor Bucht und segelten an der Küste entlang nach Budva, um dort auszuklarieren. Meine Güte, Tourismus mit überfüllten Stränden, sich mischende Diskomusik aus allen Ecken , Jetskis haarscharf an den ankernden Booten vorbei, Speed Boote, die Luftmatratzen mit juchzenden Menschen hinter sich herzogen. Irgendwie alles überdreht und Spaß betont. Ich war richtig bedient und fand nachts keinen Schlaf. Wir wollten uns vor unserer langen Überfahrt nach Süditalien etwas ausruhen. Es hilft ja nichts: also das Beste draus machen. Wir suchten Nautikshops, die aber nicht das Benötigte hatten. Ja, Einkäufe mit langen Fußmärschen und mancher Vergeblichkeit wären noch einmal ein Sonderthema. In Deutschland waren wir bisher mit dem Bekommen von Ersatzteilen doch mächtig verwöhnt und vieles erschien selbstverständlich. Das ist in anderen Ländern ganz anders und überhaupt keine Selbstverständlichkeit.
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Wir mussten nun ja endlich ausklarieren und ich hoffte inständig, dass den Beamten unsere längere Verweildauer nicht auffallen würde. Aus 7 Tagen waren 10/ 11 Tage geworden. Also früh am Morgen hin zum Hafenmeister. Der hatte einen Klienten im Raum bei dem es länger dauerte. Geduldig-ungeduldig warteten wir in einem hässlichen Vorraum, in einer Ecke ungeschützt die Aktenordner, (es lebe der Datenschutz), so vor uns hin. Schließlich erhielten wir Einlass. Es ging rasant schnell: Stempel drauf und weiter zur Polizei:  der Beamte meinte dort es dauere nur fünf Minuten und dann fiel ihm der PC aus, er telefonierte und telefonierte, ohne dass das technische Problem behoben werden konnte. Unsere Personalien wurden schlichtweg nicht überprüft. Mit Schweiß auf der Stirn notierte der Polizist unsere Personalien schließlich manuell. Es wirkte irgendwie, als wenn er froh war, als wir sein Büro verließen.
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Nun war es inzwischen fast 10.30 Uhr geworden und wir segelten bei ruhigem Wetter aufs offene Meer. Alle Wind und Wettervorhersagen hatten uns für diese längere Fahrt grünes Licht gegeben. Aber es kam alles anders. Das erfahrt Ihr in unserem nächsten Bericht.
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Abschied aus Kroatien mit Besuch der wunderschönen Insel Korcula

8/4/2022

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Abschied aus Kroatien mit Besuch der wunderschönen Insel Korcula, Ankern ca. 35 km von Dubrovnik entfernt. Die Gässchen und Stadtmauer von Dubrovnik mit einfach zu vielen Touristen im Sommer, frühmorgendliches Ausklarieren in Cavtat.
Nun rennt die Zeit reisend so dahin, und ich möchte euch einmal wieder berichten:
Nach unserem ganz schönen Treffen mit drei Paaren von anderen Schiffen brachen wir wieder auf, um uns Richtung Korcula / Süddalmatien zu bewegen. Es war nur ein kurze Segelstrecke von ca. acht Seemeilen mit einem Panorama zwischen den Gebirgszügen der Halbinsel Peljesac zur Backbordseite und den waldreichen, in verschieden Grüntönen schimmernden Bergen Korcula’s auf Steuerbord. Peter hatte eine Ankerbucht vor der Stadt Korcula im Osten gewählt. So motorten wir ziemlich problemlos in die Luka Banja und machten an einer Boje fest. Sofort näherte sich ein Boot mit Junge und Hund an Bord, der abkassierte. Dieses überzogene überall Bezahlen, ohne Gegenleistung wie z.B. Wasser und Strom, fängt an, mich an Kroatien zu ärgern, bei allem Verständnis, dass Tourismus hier die Lebensgrundlage sichert.
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Wir lagen jedoch gut vor Wind geschützt und machten uns auf zu unserer ersten Entdeckungstour: wanderten ca. 35 Minuten an der Straße entlang mal wieder in der Mittagshitze (das können auch nur Touristen sein!) und wurden mit wunderschönen Ausblicken auf Landschaft und die Mittelalterstadt Korcula belohnt . Wir bummelten die Promenade mit sehr gepflegter Gastronomie entlang, gönnten uns eine Pizza und ließen einfach die Eindrücke auf uns wirken. Für mich gehört der Besuch dieser Insel zu den bisherigen Highlights unserer Reise
Unsere Rattenbegegnung möchte ich dabei nicht unerwähnt lassen: Auf dem Rückweg saßen wir in einem Café und Peter starrte konzentriert auf den Fußboden. Am Nachbartisch wirbelte Personal herum. In aller Seelenruhe bat mich Piet schnell die Füße hochzuheben, und da sah ich sie: eine Ratte unter dem Nachbartisch im Begriff über meine Füße zu rennen. Und schon flitzte sie los, verletzt am Rücken, unter ein nahe gelegenes Auto. Ich hatte keine Lust mehr auf meinen Espresso, schnappte das Wasser und wir zogen beschleunigten Schrittes ab. Was mag wohl in dieser Küche los gewesen sein?
So trollten wir uns auf unser Boot zurück. Kühlten uns schwimmend ab und genossen den Abend. Am nächsten Tag ankerten Ilona und Andreas von der Yoko und ihre Freunde Jeanet und Heinz von der Dar melica two auf der anderen Seite der Bucht und informierten uns, dass wir dort umsonst an der Boje liegen könnten, wenn wir in dem Restaurant essen würden. Das war nichts für Piet. Diese Form der Bezahlung lehnt er ab. Wir blieben einen weiteren Tag an unserer Bezahlboje und unternahmen einen Busausflug ans andere Ende der Insel nach Vela Luka durch die gebirgige Landschaft, mit Olivenhainen und Weinanbau immer wieder wunderschöne Ausblicke preisgebend.
Tja, und der Fährhafen an einem Sonntag für mich enttäuschend: Es wurde in eine große Marina investiert, aber kaum ein Boot lag darin. Der Ort hatte für mich überhaupt keine Ausstrahlung, auch nicht als die Menschen am Spätnachmittag vom Strand zurückkamen und den Ort belebten.
Und wir hatten bis zur Rückfahrt viele Stunden zu überbrücken, drückten uns von Schattenplatz zu Schattenplatz, warteten sehnsuchtsvoll auf unseren Bus, der uns am Abend übervoll nach Korcula Stadt zurückbrachte.


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Am nächsten Morgen (11.7.2022) legten wir ab und erlebten unerwartet 30 Knoten Wind mit ordentlichem Wellengang in dem schlauchartigen Wasserweg zwischen den Gebirgszügen von Peljesac und der Insel. Es böete ganz ordentlich mit diesen scheinbar typisch drehenden Winden. So erreichten wir nach 40 Seemeilen in knapp acht/neun Stunden unsere neue Ankerbucht Slano, 30 km nordwestlich von Dubrovnik. Einfach ankern in nicht bootsüberfüllter Bucht, hurra!
 Hier lernen wir am 14.7.2022 Elena und ihren Mann Rainer von der Ophelia und das Ehepaar Franz und Ingrid von der Starlight kennen, die sich als relative Bootsneubesitzer zusammen getan haben, um all die immer wieder auftauchenden Schwierigkeiten an Bord und auf See irgendwie zusammen zu meistern. Wieder eine ganz schöne Begegnung von Menschen, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind und ihre Träume verwirklichen. Dieses „Anfängertum“ tut mir gut, da es mir in vielem ähnlich ergeht: z.B. das Lauschen auf nicht einzuordnende Geräusche in der Nacht, häufige Reparaturen, nicht einschätzbare Wetter– und Windverhältnisse, Auswahl der Ankerplätze und vieles mehr.
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Ich kann mich da auf Piet als erfahrenen Skipper verlassen, aber kann ich das irgendwann alles selbst bewältigen?
Es ist einfach immer noch sehr viel Neues. Ich bin mehr spezialisiert im Auskundschaften schöner Plätze an Land.
Ja, und das machen wir per Linienbus nach Dubrovnik auch. Diese Busfahrten bieten immer für wenig Geld erst einmal eine schönen Überblick: entlang einer Küstenstraße mit wunderschönen Ausblicken nähern wir uns dieser Stadt. Der Busfahrer rast im Menschen überfüllten Bus rücksichtslos vor sich hin. Einer jungen Frau neben mir wird schlecht, und sie klammert sich an ihren Begleiter. So schaukelt es nun auch gewaltig nicht nur auf dem Boot.
Über eine imposante Brücke erreichen wir das Hafengebiet von Dubrovnik. Piet hat hier schon mehrere Nautikshops recherchiert. Also starten wir dort; erstehen den längst überfälligen Lifesling, ein Rettungssystem mit Leine und  Auftriebsmaterial, das wir an die Reling montieren.
Schon wieder mächtig heiß geworden, marschieren wir tapfer den drei kilometerlangen Aufstieg in die Altstadt (Stari Grad). Piet forsch voran, ich innerlich fluchend, immer wenn ein Bus an mir vorbei rauscht. Besichtigung wird hier halt per pedes erarbeitet.
Und wir werden ja auch durch wechselnde wunderschöne Blicke auf die Altstadt belohnt. Oben angekommen werden wir durch den nicht enden wollenden Touristenstrom erschlagen. Durchs westliche Pile Tor gelangen wir mehr geschoben als frei gehend, vorbei an einem Musiker in diese durch die Stadtmauer geschützte Stadt.
Kaum vorstellbar, dass die jugoslawische Volksarmee in der Anfangsphase des Kroatienkrieges 1991/92 eine Bombardierung mit über 650 Mörsergranaten am 6.12.1991 und Belagerung auf die Zivilbevölkerung startete . Viele Zivilisten verlieren ihr Leben, ein Prozent der Stadt brennt nieder und über die Hälfte der Dächer werden beschädigt, als es in weiteren acht Monaten zu langen Schiffs- und Artillerieangriffen der Serben kommt.
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Der Wiederaufbau dauert zehn Jahre. Durch diese historische, wirklich einmalige Stadt schlendernd, von der ca. zwei Kilometer langen Stadtmauer die neu eingedeckten Dächer rötlich schimmernd zu sehen, lässt mich gedanklich doch festhalten über die Sinnlosigkeit von Krieg nachzudenken Einschusslöcher in alten Holztüren weisen mahnend darauf hin. Im Lauf der Geschichte hat diese Stadt ja auch wirklich viel erlebt.
Bauten aus dem Mittelalter treffen auf Barock und Renaissancebauten. Alles wirkt wie ein Gesamtbild und hat uns schon sehr beeindruckt.
Irgendwann fallen mir viele Menschen mit schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „Game of thrones" auf, die hier auf den Spuren ihrer Serie wandeln.
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Ich habe diese amerikanische Serie nie gesehen. Meine Tochter Isabelle berichtete mir jedoch, es sei eine komplexe Saga um Macht, Intrigen, Kriege, Vergewaltigungen, Gesellschaftsverhältnisse, alles recht grausam dargestellt. Da sieht man mal, was wir für Unterhaltung ansehen. Die mittelalterliche Kulisse mit ihren verwinkelten Gässchen, Treppen, die trutzhaften Wehrtürme bieten sich für Gruselgeschichten an.
Ich besuche dann noch eine kleine Dali Ausstellung. Mit einem kleinen Teil seiner Pferdebilder, Lithographien für eine Bibelillustration, Illustrationen für Alice im Wunderland und Drucke aus der Devine Comedy. Piet, der Dali’s Werke gut kennt, blieb draußen im Schatten und wartete. Ich denke, er hat nichts versäumt. Ich bin durch einige Bilder mal wieder in der Fantasie gereist und angeregt.
Irgendwann sind wir regelrecht „seh-müde“ von all den Eindrücken und begeben uns vor die Stadtmauer, wo wir von einem Restaurant aus das Treiben noch einmal beobachten.
Müde und vom Tag erfüllt, kehren wir gern in die Ruhe unseres Bootes zurück.
Nach einem Ruhetag fahren wir noch einmal nach Dubrovnik: Piet bleibt im Hafen und organisiert weiteres Material für unseren Albatros, und ich wollte mir gezielt einiges anschauen. So besuche ich in einem Nebengässchen eine „war photo limited“ Ausstellung. Diese Bilder drücken das Leid und auch manchmal mitten in den Trümmern das Stück Liebe und Glück mehr aus als, wie habe ich es gerade im Spanischen gelernt‚ tantas palabras (viele Worte). Berührt trottete ich durch die an diesem Tag weniger bevölkerten Gässchen, hin zu der Jesuitentreppe mit der Kirche St. Ignatius an der Spitze. Ein sehr schöner Platz in der Altstadt.
Durch die Gässchen mich treiben lassend kam ich wieder an die Stadtmauer mit einem Durchlass zu einer Art Felsen Café. Hinkommen leichter gesagt als getan: vier Damen posten und fotografierten sich gegenseitig in sämtlich verrenkten Positionen in aller Ruhe. Ich beobachte die Szenerie schmunzelnd. Wir leben wohl zunehmend weltweit in einer sehr auf äußere narzisstische Darstellung bedachten Welt. Unsere Generation kann sich gar nicht so auf Knopfdruck hinstellen.
Bei wunderschönem Ausblick genoss ich mein Getränk zu einem stattlichen Preis. Tja, Ihr werdet es kaum glauben, ich bat eine der Damen um ein Foto. Ich wollte doch mal sehen, wie es geht.
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Nun hatte ich allmählich wieder Sehnsucht Piet zu treffen und bewegte mich stadtauswärts, vorbei an einer ganz unscheinbaren Tür in das Franziskanerkloster, wo sich angeblich  Europas älteste Apotheke seit 1317 befindet. Es war einfach mitten in dem Rummel ein stiller Ort mit heute noch betriebener Apotheke und sehr gut erhaltenem Kreuzgang und Museum mit Inventar einer Apotheke, würde sagen aus dem 17.-18. Jahrhundert. Alte Rezepturbücher unter anderem in deutscher Sprache.
Nach einer guten inneren Einkehr machte ich mich auf den Rückweg. Ohne Ort und Zeit festgelegt zu haben, trafen Piet uns in einem Restaurant und tauschten uns über die unterschiedlich verlebte Zeit aus. So ging wieder ein erlebnisreicher Tag zu Ende.
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Langsam bereiteten wir uns auf das Ausklarieren aus Kroatien vor, wo wir nun doch über sechs Wochen waren. Wir hoben am 15.7.2022 den Anker und motorten in eine Bucht Srebreno/Soline vor Cavtat, wo wir uns am nächsten Morgen abmelden wollten. Nun waren wieder praktische Sachen gefragt, auf der Fahrt unter Motor stellten wir unseren watermaker an, um aus Salzwasser für unseren Gebrauch Süßwasser zu produzieren. Das Ganze hat inzwischen einen eingespielten Rhythmus, und ich betrachte unser Wasser als wertvolles Gut.
Nächsten Tag klarierten wir dann gleich frühmorgens aus, der Hafenmeister war kaum im Dienst, die Hafen-Polizistin hatte uns schon beobachtet und war nicht zufrieden, dass nicht einer von uns an Bord geblieben war. Piet konnte doch recht charmant die Situation klären. Es lebe die Geschlechteranziehung mit ihren Spielchen.

Auf in ein neues Land, Montenegro. Davon handelt der nächste Bericht.
 
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Gundula hisst die Gastlandflagge von Montenegro unter der Steuerbord Saling
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